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Der Koran PDF Drucken E-Mail

Aus dem Arabischen neu übertragen von Hartmut Bobzin
Unter Mitarbeit von Katharina Bobzin

Hartmut Bobzin gehört zu den international renommierten Gelehrten. Er ist Professor für Semitische Philologie und Islamwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Zu seinen Hauptarbeitsgebieten zählt der Koran mit seiner Druck- und Auslegungsgeschichte in Europa. Er ist durch seine Veröffentlichungen nicht nur in der Wissenschaft bekannt. In diesem Verlag erschienen seine Werke Der Koran. Eine Einführung (2007) und Mohammed (2011).

Das heilige Buch der Muslime gehört zu den weitestverbreiteten Büchern dieser Welt. Es wurde in viele Sprachen übersetzt. Auch in Deutschland sind bisher einige Übertragungen erschienen. Hartmut Bobzin hat in vorliegender Arbeit den „Kairiner Koran“ zugrunde gelegt, die Ergebnisse der neuesten islamwissenschaftlichen Forschung eingebracht und ein neues, in der Fachwelt schon anerkanntes Standardwerk geschaffen.

Der Koran ist für Muslime das Wort Gottes, das dem Propheten Mohammed in arabischer Sprache offenbart wurde. Die 114 verschieden langen Suren enthalten eine Vielfalt an Texten – predigend, mahnend, gelegentlich archaisch-dunkel, durchdrungen von Ge- und Verboten. Es sind Verse von großer Schönheit in Sprache und Stil. Hartmut Bobzin ist es gelungen, sie in ein wohlklingendes, verständliches Deutsch zu übertragen. Dennoch erschließt sich dem Laien, auch muslimischen und westlichen Theologen, die Bedeutung mancher Aussagen nur schwer. Die Auslegung der Suren hat schon seit Mohammeds Tod (632 n.Chr.) viele Gelehrte beschäftigt und es sind im muslimischen Kulturkreis zahlreiche berühmte Werke entstanden. Auch im christlichen Abendland fand im 18. Jahrhundert das Thema Eingang in die Islamwissenschaft. Herausragend ist Friedrich Rückert (1788-1866) zu nennen mit seiner unvollendet gebliebenen Übersetzung. Das komplexe Thema wird die Forschung in Orient und Okzident weiter beschäftigen.

Die kurzen, eindrucksvollen Suren zum Schluss sind für den Laien zum Einlesen in die Eigenart dieses heiligen Buches besonders geeignet. Sie sind ausgesprochen poetisch, siehe die Suren Die Morgendämmerung (89.), Die Sonne (91.), Die Nacht (92.), Der helle Morgen (93.).

Wir geben als Beispiel die ersten Verse aus der Sure Die Sonne, die noch vor Mohammeds Auszug nach Medina (622 n.Chr.) in Mekka entstanden ist. Auch ihr ist wie allen anderen – mit Ausnahme der 9. Sure – die sogenannte Basmala vorangestellt. Diese invocatio ist die arabische Kurzform für die Worte:

„Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers.

Bei der Sonne und ihrem Morgenlicht,
beim Mond, wenn er ihr folgt,
beim Tage, wenn er sie erstrahlen lässt,
bei der Nacht, wenn diese sie bedeckt,
beim Himmel und dem, der ihn erbaute,
bei der Erde und dem, der sie ausbreitete,
bei einer Seele und dem, der sie gestaltete“


Koran, Sure 91, Verse 1-7

Gekrönt werden die Suren mit der arabischen Überschrift ihres Namens in wunderschöner Kalligraphie. Einige von ihnen tragen Schmuckelemente mit dem Namen Allah am Ende. Im gleichen persischen Stil „Nastaliq“ wurden Vorder- und Rückseite des Buches, der Titel Der edle Koran, die erste Sure, genannt Fatiha, sowie die Schlussformel nach der letzten Sure geschrieben. Die mehr als 120 Schriftzüge stammen aus der Feder des aus Pakistan stammenden, freischaffenden Künstlers Shahid Alam. Im Werk des heute in Deutschland lebenden Kalligraphen, Malers und Bildhauers spielt die Kalligraphie eine wichtige Rolle.

Dem Verlag ist zu danken für die Ästhetik in der Gestaltung des Buches und die gute Lesbarkeit der Texte: Satzspiegel und Zeilenabstand sind großzügig bemessen, jede Sure beginnt auf neuer Seite, jeder Vers auf neuer Zeile. Bei längeren Versen werden Satzteile sinngebend untereinander gesetzt. Das Nachwort erläutert Struktur, Geschichte und die Schwierigkeit in der Übersetzung des Korans. Hinweise zur Transkription und Aussprache, das übersichtliche Stellenverzeichnis sowie eine namentliche Aufzählung aller Suren im Anhang runden diese Ausgabe ab.

Hartmut Bobzin, Katharina Bobzin und den Mitarbeitern sowie Förderern sind wir zu Dank verpflichtet!

Helga Walter-Joswig

640 Seiten mit 118 Kalligraphien
Verlag C. H. Beck, Beck’sche Reihe
München 2012
ISBN 978 3 406 64047 6
brosch. € 17,95, eBook € 13,99

 
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