Home arrow Kultur / Gesellschaft arrow Repression in Ägypten
Repression in Ägypten PDF Drucken E-Mail

Streik an der Oper in Kairo

In Kairo hat der neue Kulturminister die Operndirektorin und andere Spitzenbeamte entlassen. Jetzt wird an der ältesten Musikinstitution des Nahen Ostens gestreikt.

Die Mitarbeiter der Kairoer Oper haben zu streiken begonnen, nachdem der neue Kulturminister Alaa Abdel-Aziz die Operndirektorin Enas Abdel Dayem entlassen hatte. Vor dem Gebäude haben sich Hunderte von Demonstranten eingefunden. «Das Volk will den Sturz des Ministers» oder «Raus, raus, raus», skandieren sie. «Die Kultur ist die rote Linie für die Muslimbrüder», steht auf ihren Plakaten. Es sind Mitarbeiter der Oper, aber auch bekannte Maler, Filmemacher oder eine Opernliebhaberin, die sagt, sie sei hier, weil die Tradition der Kairoer Oper uneingeschränkt fortgeführt werden müsse.

«Unmoralisches» Ballett
Der neue Kulturminister Alaa Abdel-Aziz, Professor für Filmschnitt, hatte gleich beim Amtsantritt Anfang Mai angekündigt, er werde das Ministerium von Korruption säubern. Nach wenigen Tagen entliess er den Direktor der Allgemeinen Buchorganisation, die Literatur einem breiten Publikum zugänglich macht. Es folgte die Absetzung weiterer Direktoren von Kulturinstitutionen, jeweils ohne Begründung. Aus Protest haben prominente Kunstschaffende ihre Mitarbeit bei staatlichen Kultureinrichtungen eingestellt.

Dass der staatliche Kulturbetrieb Reformen braucht und dass es Korruption gibt, ist unbestritten. Der Minister habe aber weder Visionen noch Kriterien für seine Personalpolitik präsentiert und das mache Angst, sagt eine Insiderin, die kulturelle Anlässe in Ägypten organisiert. Seit die Muslimbrüder an der Regierung sind, haben Intellektuelle Angst, die künstlerische Freiheit werde eingeschränkt. Man könne nicht Muslimbruder und gleichzeitig kreativ sein, denn kreativ heisse rebellisch, erklärte der Verleger und Tahrir-Aktivist Mohammed al-Adl vor wenigen Tagen einer lokalen Zeitung. Gleich nach der Ernennung des neuen Kulturministers haben deshalb Intellektuelle aus allen Sparten in einer Konferenz versucht, eine gemeinsame Front gegen die Islamisten zu bilden.

Als Erstes will die Regierung am Geldhahn drehen. Das Parlament plant im kommenden Jahr, das Budget der Oper und anderer Kulturinstitutionen zu kürzen. Ein Abgeordneter der ultrakonservativen Salafisten hat zudem vorgeschlagen, Ballettaufführungen – wie sie auch an der Oper regelmässig stattfinden – in Ägypten abzuschaffen, weil sie wegen zu viel Nacktheit unmoralisch seien. Das Parlament hat den Vorschlag, die Kunstgattung zu verbieten, die die Ägypter auf die Zeit der Pharaonen zurückführen, nicht aufgegriffen.
«Säuberung» wird fortgesetzt

Die Regierung wolle nach und nach alle kulturellen Fenster schliessen, weil vor allem Leute der Revolution betroffen seien, sagte der Dichter Abdul Rahman Abnoudi warnend. Die Angestellten der Oper, auf deren Gelände auch Theater, Galerien und ein Musikarchiv untergebracht sind, hatten dem Minister eine Frist von 72 Stunden gesetzt, um zurückzutreten. Dieser konterte, er werde die Säuberungskampagne mit aller Härte fortsetzen; mit Einflussnahme der Muslimbrüder hätte das nichts zu tun. Nun haben die Kulturschaffenden einen unbefristeten Streik ausgerufen.

Den vollständigen Artikel finden von Astrid Frevel in der NZZ vom 4. Juni 2013 finden Sie hier.

 
< zurück   weiter >
© DAG am Mittwoch, 13. Dezember 2017
Powered by Joomla