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Scholl-Latours krasse Ägypten-These PDF Drucken E-Mail

Das beliebte Reiseziel droht im Bürgerkrieg zu versinken. 
„Ägypten zwischen Glaube und Gewalt – was kann der Westen tun?“, wollte Maybrit Illner von ihren Gästen am Donnerstagabend wissen.

Die Talkrunde

Philipp Mißfelder, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, Nahost-Experte Peter Scholl-Latour, Politikwissenschaftler und Autor Hamed Abdel-Samad, Lubna Azzam von der Stiftung Wissenschaft und Politik und Mazen Okasha, ägyptischer Reiseführer.

Der Ägypten-Talk

Der Westen muss aufhören, seine moralischen Werte an den Nahen Osten anzulegen, forderte Nahost-Experte Peter Scholl-Latour in Illners Runde. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ließen sich nicht einfach exportieren. Das Chaos in Ägypten sei dort in gewisser Weise Normalität, so der Bestseller-Autor.

Das Absetzen der Mursi-Regierung sei ein Putsch gewesen, „was denn sonst?“, fragt Scholl-Latour.

Damit erntet er sofort heftigen Widerspruch. „Millionen Menschen sind auf die Straße gegangen, weil die Muslimbrüder politisch und wirtschaftlich versagt haben“, wirft Hamed Abdel-Samad ein. Das Militär habe keine andere Wahl mehr gehabt, die Mursi-Regierung habe das ägyptische Volk in Geiselhaft genommen. „Das Militär musste die Notbremse ziehen“, so der Politikwissenschaftler

Einen Putsch sieht Adbel-Samad darin nicht. Im Gegenteil: Die Armee sei die einzige Institution, die funktioniere und Gesprächspartner für den Westen.

Doch auch Scholl-Latour lässt nicht locker: Das Militär sei dabei, das alte Regime wiederzubeleben. Dass es den Ägyptern unter den Muslimbrüdern so schlecht ging, hält der Experte für Sabotage. Auf Illners Frage, wer dahinter stecke, antwortet er nur knapp: „Mursis Gegner und das Militär.“

Der ägyptische Reiseführer Mazen Okasha sagt, dass er als Familienvater heute vor Reisen in das Land am Nil abraten würde. Auch er beobachtet die explosive politische Lage mit Sorge. „Die Muslim-Brüder vertreten noch immer große Teile des Volkes“, meint er.

Ägypten und die Demokratie – kann das überhaupt funktionieren?

Für Politikwissenschaftler Abdel-Samad ist klar: Die Muslimbrüder sind Terroristen. Sie zünden christliche Kirchen an und schlachten Polizisten ab: „Die Lage ist wie in Deutschland vor 100 Jahren.“ Die Demokratie brauche eben viel Zeit.

Auch CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder sagt: „Es gibt die Chance, neue Parteien im Land aufzubauen – aber das braucht Zeit.“

Deutlich pessimistischer in Illners Runde ist die Wissenschaftlerin Lubna Azzam. Sie verurteilt den Putsch des Militärs. „So entstehen keine politische Kultur und Demokratie.“

Auch Peter Scholl-Latour wirft ein, dass eine Demokratie den Druck der Straße aushalten müsse, Neuwahlen könnten keine Lösung sein.

Dann stellt der Nahost-Experte die steile These auf, dass es den Westen nichts anginge, was in Ägypten passiert. "Wir sollten uns da auch raushalten", sagt er.

Da platzt Hamed Abdel-Samad der Kragen! Er wirft Scholl-Latour vor, dass sein Weltbild im Kalten Krieg stehen geblieben sei. Seine Ansichten seien „Schnee von gestern“.

Fakt ist: Auch Deutschland profitiert vom Waffenhandel in die politisch unstabile Region.

Zum Schluss kommt die Runde noch auf das Thema Saudi-Arabien zu sprechen, das mit deutschen Panzern aufgerüstet wird. 

CDU-Mann Mißfelder sagt, dass Menschenrechte in der Außenpolitik nicht immer das oberste Gebot seien dürfen. Saudi-Arabien sei schließlich ein wichtiger Verbündeter gegen die Gefahr aus dem Iran – und in diesem Punkt war sich Illners Runde ausnahmsweise mal einig.

Klartext

Ägypten versinkt im Chaos – doch wie es am Nil weiter geht, konnte die Runde auch nicht beantworten. Spannend wurde es immer dann, wenn Hamed Abdel-Samad und Peter Scholl-Latour aneinander gerieten. Das sorgte immerhin für Emotionen im sonst ereignislosen Talk.
 

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© DAG am Mittwoch, 23. August 2017
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