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Presseschau zur Syrien-Intervention PDF Drucken E-Mail

Viele Tageszeitungen widmen sich einer möglichen militärischen Intervention in Syrien durch die USA und weitere westliche Staaten.

 

Das syrische Parteiblatt AL BAATH, Damaskus gibt sich siegesgewiss:

"Wir werden ein geeintes Land bleiben. Wir werden uns mit unseren eigenen Kräften gegen jeden Angriff verteidigen. Und solch ein Angriff kann auch unsere Armee nicht davon abhalten, am Boden in Syrien weiter erfolgreich ihre Arbeit zu tun. Das einzige, was hier besiegt wird, ist die Verschwörung der anderen."

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Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG fragt sich, ob ein Angriff wirklich der richtige Weg ist.

"Selbst jetzt, nach dem Einsatz von Giftgas, ist die Versuchung groß, den Massenmord einfach hinzunehmen. Die Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs betonen zwar zu Recht, dass ein solches Verbrechen nicht folgenlos bleiben darf. Aber der Einsatz einiger Cruise-Missiles wird die Lage auf dem syrischen Schlachtfeld nicht verändern. Die Gefahr ist groß, dass ein ein- bis zweitägiger Militärschlag, wie er offenbar erwogen wird, vor allem die Funktion hätte, das eigene Gewissen zu beruhigen. Auch das Assad-Regime würde einen rein symbolischen Schlag mühelos verkraften und sich dadurch bestärkt fühlen, dass ihm vom Westen keine ernste Gefahr droht."
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Großbritannien scheint gespalten. Der britische INDEPENDENT gibt sich skeptisch:

"Die USA und Großbritannien haben den Sturm geerntet, den wir im Irak gesät haben. Der alles andere als ruhmreiche Rückzug aus Afghanistan steht in einem Jahr an, und die Wirtschaft unserer Länder beginnt gerade erst, sich von der Finanzkrise zu erholen. Trotz all der schrecklichen Bilder des menschlichen Leids in Syrien gibt es keine öffentliche Bereitschaft, wieder einmal in den Krieg eines fremden Landes hineingezogen zu werden."

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Die London - TIMES äußert sich weniger zögerlich:

"Ein Angriff mit chemischen Waffen kann nicht ohne Reaktion bleiben. Thomas von Aquin hat drei Kriterien für einen gerechten Krieg genannt: Für eine richtige und gerechte Sache, geführt von einer legitimen Instanz, und mit dem Ziel, auch inmitten von Gewalt Frieden zu bringen. Diese Bedingungen sind im Fall Syriens sicherlich erfüllt. "
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"Welche Beweise gibt es?"  fragt die lettische Zeitung DIENA:

"Bereits vor dem Eintreffen der UNO-Experten vor Ort sind sich französische und britische Offizielle sicher, dass die syrische Armee chemische Waffen eingesetzt hat. Angeblich liegen den Alliierten mehrere Youtube-Videos, Berichte von interessierten Parteien und einige geheime Informationen vor. Das ist ziemlich dünn, um nationale strategische Objekte ohne UNO-Mandat mit Langstreckenraketen zu bombardieren."

befürchtet DIENA aus Riga.

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Die russische KOMMERSANT überlegt, ob sich Obama wohl noch um ein breiteres Bündnis bemühen werde.

"Außer Großbritannien und Frankreich unterstützen nicht alle NATO-Mitglieder das Vorgehen der USA. Sollte mehr geschehen als nur einige gezielte Luftschläge, würde der Westen zum aktiven Teilnehmer des Bürgerkriegs in Syrien. Dann könnte sich Washington nicht mehr damit herausreden, es gehe nicht um einen Machtwechsel in Damaskus. Obama muss aufpassen, dass er nicht dazu gedrängt wird - etwa von der Türkei."

rät der KOMMERSANT aus Moskau.

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Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO fordert:

"Diejenigen, die gegen einen Militärschlag in Syrien sind, müssen sich vereinen, um den Westen von seinem Angriffsplan abzuhalten. China kann dabei zwar keine Hauptrolle spielen, wird jedoch Russland und Iran, die gute Beziehungen zu Damaskus pflegen, moralisch unterstützen. Der Westen hat Peking bereits als die 'größte potentielle Gefahr' abgestempelt. Aber dennoch: Es ist wichtig, der US-Regierung die Risiken einer Intervention vor Augen zu halten."

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Die israelische JERUSALEM POST:

"Während das brutale Regime von Syriens Präsident Assad für die internationale Gemeinschaft zurzeit wohl das drängendste Problem darstellt, ist und bleibt es der Iran, der Israel am meisten Sorgen bereitet. Das Land ist der wichtigste Unterstützer und Finanzier von Assad, der Hisbollah und anderen terroristischen Vereinigungen. Und während die Welt auf Syrien schaut, drehen sich im Iran die Zentrifugen weiter, die angereichertes Uran produzieren - eine wichtige Zutat für eine Atombombe. Die USA und ihre Alliierten sollten deshalb daran erinnert werden, dass letztlich der Iran die größte Gefahr für den Mittleren Osten und die gesamte Welt darstellt."

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LA STAMPA, Turin: vermutet tiefere Gründe für einen Militärschlag:

"Alle wissen, dass Obama, Cameron und Hollande sich jetzt auf diese Weise an Damaskus wenden, weil der Iran "mithört". Sie wollen deutlich machen, dass es Grenzen gibt für die Gewalt, die Verantwortungslosigkeit und die Intoleranz. Schon bald werden wir sehen, ob ein Militärschlag des Friedensnobelpreisträgers Obama so verstanden wird oder nicht."

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Die iranische Zeitung KEYHAN aus Teheran merkt an:

"Die USA können einen Krieg mit Syrien beginnen, aber es wird nicht mehr in ihrer Macht liegen, ihn auch zu beenden. Israel wird bei einem Schlag gegen Syrien eines der ersten Angriffsziele der syrischen Raketen sein. Auch Saudi Arabien, die Türkei, Jordanien und viele andere Länder, die sich für eine militärische Intervention in Syrien bereit erklärt haben, werden dann zum Angriffsziel. Sollte das ganze derzeitige Spektakel keine psychologische Kriegsführung, sondern ernst gemeint sein, wird es das Ende Amerikas bedeuten."

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Die vollständige Presseschau des Deutschlandfunks, vom 28.08.2013, finden Sie hier.

 
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