Home arrow DAG-Meldungen arrow Ägypten am Scheideweg - Eine aktuelle Zustandsbeschreibung
Ägypten am Scheideweg - Eine aktuelle Zustandsbeschreibung PDF Drucken E-Mail

-Roundtable mit Frau Dr. Mona Makram Ebeid-

“Egypt is not Timbuktu. Egypt is Egypt.”

Die DAG war zu Gast bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. zu einem Roundtable-Gespräch mit Dr. Mona Makram Ebeid, der profilierten Dozentin für Politikwissenschaft an der amerikanischen Universität Kairo.

Image

Gleich zu Beginn ihrer Ausführungen stellte die Referentin klar: „Ich wurde niemals von irgendjemandem unterdrückt oder gezügelt. Ich sage was ich denke. Dafür war ich schon immer bekannt und das hat mich aber auch in Schwierigkeiten gebracht.“ Dr. Makram Ebeid macht deutlich, worum es den Ägyptern geht und gewährt einen Einblick in deren Seelenleben: >> Den Ägyptern geht es vor allem um Würde, um „Karāma“. << Ihr Verlangen nach Grund-Sicherheit (Arbeit, Essen, Obdach) ist elementar, genauso ihr Bedürfnis nach Rückeroberung ihrer Würde sei absolut prioritär, noch wichtiger als der Wunsch nach Demokratie. Dr. Makram Ebeid stellt klar, dass nicht alle Muslimbrüder Terroristen seien.

Generaloberst Abd-al Fattah as-Sisi beschreibt sie als einen noch jungen, klugen und weisen Mann, der die Welt kennt und begriffen hat, dass das ägyptische Volk vor allem die Angst vor der Zukunft plagt. Die versucht as-Sisi abzubauen, indem er ihnen das Vertrauen wieder zurückgibt. Dennoch rechtfertige die Referentin as-Sisi nicht. „You should send teams to support people with trainings“, schlägt sie vor. Dieses Training sollte ihrer Meinung nach nicht nur auf der wirtschaftlichen Ebene, sondern vor allem auf dem Feld der sozialen Kompetenzen gefördert werden. Die Stärkung der Zivilgesellschaft, der Respekt vor der Moderne und der zivile, vertrauensvolle Umgang mit einer sich weiterentwickelnden Gesellschaft könnten konkrete Stichpunkte dieses Trainings sein.

Image

In der von Herrn von Maltzahn geleiteten Diskussion stimmte die Referentin zu, dass eine Inklusion Ägyptens von immenser Bedeutung sei: „Egypt is not Timbuktu. Egypt is Egypt. And Egypt does not want to be exclusive. I am from the school of thought that want them in. Except for them of course, who are violent or have committed crimes against humanity”, stellte Makram Ebeid klar. Das Militär habe die Regierung zu unterstützen. Aber, betont sie leidenschaftlich: „This is the accumulation of thirty years of neglect. What we have now, is the same system, only without Mubarak. We need a guided democracy now. We are too weak, we need a pause! We are tired after three years of turbulence!” Letztendlich gibt sie sich jedoch zuversichtlich: „We will get there. I am confident that there will be national observers for the elections.” Die Aufgabe, die Dr. Makram Ebeid nun in Deutschland sieht, ist klar: “Encourage tourists.” Dieser Bitte geht Moderator Herr Freiherr von Maltzahn gern nach und versichert: „We will continue to say: Christmas is best spent in Egypt.“

 

 

Zur Person: Dr. Mona Makram-Ebeid ist kürzlich aus dem Schura-Rat ausgetreten, mit der Unterstützung der Tamarod-Bewegung. Sie ist Leiterin des Ausschusses für Bürgerrechte im Nationalen Rat für Menschenrechte, Dozentin für Politikwissenschaft an der Amerikanischen Universität in Kairo, wo sie die letzten 17 Jahre gelehrt hat. Sie gründete die Gesellschaft für Förderung für Bildung und ist häufig Kommentatorin in den Medien, zum Beispiel bei Programmen wie CNN, BBC Hard Talk usw. Sie war von 1990—1995 Mitglied im ägyptischen Parlament. Von 1992 bis 1996 hat sie als Beraterin der Weltbank in der MENA-Region gearbeitet. Sie hat folgende Ehrungen erhalten: Den „Distinguished Alumni Award (AUC)“, den Grad des „Officier de La Légion d´honneur“ und den „Hall of Fame“ Award.

 

- Yasmin Polat

 

 
< zurück   weiter >
© DAG am Donnerstag, 25. Mai 2017
Powered by Joomla