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Der ägyptische Unternehmer und TU-Alumnus Samih Sawiris ist der Initiator des El-Gouna-Projekts

Vor mehr als fünf Jahren kehrte Samih Sawiris an seine Alma Mater in Berlin das erste Mal zurück, nachdem er im Jahr 1980 seinen Abschluss in Wirtschaftsingenieurwesen ablegte.

 

Sein Weg führte ihn zum damaligen Präsidenten Kurt Kutzler. Der ägyptische Unternehmer, der 1957 in Kairo geboren wurde, unterbreitet ihm seine Idee eines deutschen Satellitencampus, der in der ägyptischen Stadt El Gouna, die Samih Sawiris vor mehr als 20 Jahren initiierte und erbaute,
errichtet werden sollte. Damit nahm die Idee Gestalt an. „Die akademische Ausbildung in Ägypten ist mit der deutschen nicht zu vergleichen.
Der deutsche Ingenieur ist ein besonderes Markenzeichen.“ Die meisten Ägypter, das ist dem Unternehmer klar, können es sich nicht leisten, ihre Kinder ins Ausland zum Studium zu schicken. „Deshalb soll El Gouna eine Möglichkeit bieten“, so Sawiris, „hier vor Ort dieselbe Ausbildungsqualität wie in Deutschland zu bekommen.“
 
Samih Sawiris’ Vater gründete während seines Studiums 1950 eine Baufirma und konnte zunächst ein Vermögen erarbeiten. Nach dem Militärputsch in Ägypten und der Einführung des arabischen Sozialismus erfolgte 1961 die Enteignung. Sawiris ging nach Libyen und gründete eine neue Baufirma, die er nach der Machtübernahme durch Muammar al-Gaddafi auch verlor. Mitte der 70er-Jahre kehrte er nach Ägypten zurück und gründete Orascom. Mitte der 1990er, als Orascom die größte Privatfirma in Ägypten war, zog sich Sawiris aus dem operativen Geschäft zurück und teilte das Imperium auf seine drei Söhne auf.
 
Samih Sawiris, der an der Deutschen Evangelischen Oberschule in Kairo 1976 sein Abitur ablegte, steht heute der „Orascom Developement Holding“ vor. „Mit dem vielen Geld, das ich verdient habe, möchte ich etwas für mein Land tun“, sagt er in perfektem Deutsch. Er weiß, dass die Förderung
des nationalen Bildungsniveaus den Wohlstand steigert und damit die Basis für wirtschaftliches Wachstum und sozialen Frieden ist. „Für mich steht ganz klar Deutschland an erster Stelle, wenn es um Technik und Qualität in der Industrie geht. Mit dem Campus in El Gouna wird eine weitere bedeutende Verbindung zwischen Deutschland und Ägypten wachsen“, sagt der Geschäftsmann.
 
„Ohne das Studium in Berlin wäre ich nicht in der Lage gewesen, Projekte von großem Ausmaß durchzuführen. Es ist die Art und Weise, wie man lernt. Das macht die wachsende Kompetenz und damit den Erfolg aus.“ Und Sawiris hegt keinerlei Zweifel, dass das Projekt erfolgreich sein wird: „Ich gehe davon aus, dass diese Universität die beste in ganz Ägypten sein wird. Schon jetzt bekommen die Absolventen der deutschen Schulen die besten Jobs. Und die Absolventen, die ein Zertifikat von der TU Berlin – El Gouna Campus vorweisen können, werden sich überall profilieren.
Das ist auch gut für Deutschland.“
Patricia Pätzold
 
Die drei neuen Masterstudiengänge
 
In El Gouna soll man zunächst drei viersemestrige weiterbildende Masterstudiengänge der TU Berlin studieren können: „Energy Engineering“, „Urban Development“ und „Water Engineering“. Sie starten 2011 mit je 30 Studienplätzen pro Jahrgang. Wissenschaftlich verantwortlich für
die Studiengänge sind die TU-Professoren Martin Jekel (Fachgebiet Wasserreinhaltung), Uwe Tröger (Fachgebiet Hydrogeologie), Frank Behrendt (Fachgebiet Energieverfahrenstechnik und Umwandlungstechniken regenerativer Energien), Felix Ziegler (Fachgebiet Maschinen und Energie-
Anlagentechnik) und Rudolf Schäfer (Fachgebiet Baurecht und Bauverwaltungslehre).
 
Neben dem Erwerb von Fachkompetenzen gibt es übergreifende Studienziele für alle drei Master:
Dazu gehören Interdisziplinarität, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, Teamfähigkeit sowie interkulturelle und Managementkompetenzen.
75 Prozent des Studiums erfolgen in Ägypten, das jeweils zweite Semester absolvieren die Studierenden im „Mutterhaus“ in Berlin. Die Studiengebühr beträgt 5000 Euro pro Semester, Samih Sawiris hat allerdings ein umfangreiches Stipendienprogramm vorgesehen: „Es soll jeder die Möglichkeit haben, dort studieren zu können, denn das intellektuelle Potenzial ist in allen Gesellschaftsschichten vorhanden.“Ab dem Wintersemester 2010/11 werden einleitende und vorbereitende Schools und andere Programme durchgeführt. Perspektivisch sollen über die drei Masterangebote hinaus weitere Studiengänge, Doktorandenprogramme, regionalbezogene Forschung, Weiterbildungsprogramme auch für Führungskräfte aus der Region
und Konferenzen entstehen. Pp
 
 
Technische Universität Berlin unter Palmen
Die TU Berlin richtet deutschen Campus im ägyptischen El Gouna am Roten Meer ein
 
Viel wird über die Pflege von Alumni geredet, darüber, wie man sie anregen kann, später Verantwortung für die Universität zu übernehmen – hier kam die Initiative vom Alumnus Samih Sawiris selbst und es ist ein einmaliges Projekt daraus geworden.“ Mit diesen Worten leitete Prof. Dr. Dr. h. c. Kurt Kutzler, Altpräsident der TU Berlin, Anfang Mai 2010 die öffentliche Präsentation einer einzigartigen Public Private Partnership im Bereich Bildungsexport ein: Die Technische Universität Berlin richtet in Ägypten einen Satellitencampus als wissenschaftliche Außenstelle ein. In einer Non-Profit Public Private Partnership (PPP) sollen deutsche Dienstleistungen der TU Berlin auf dem Campus im ägyptischen El Gouna am Roten Meer angeboten werden. Drei Masterstudiengänge wurden dafür von der TU Berlin eingerichtet. Damit ist sie die erste deutsche Universität, die in Ägypten Studiengänge anbietet, die sowohl inhaltlich als auch strukturell ausschließlich deutscher Hochschulgesetzgebung und damit der besonderen deutschen Qualitätssicherung unterliegen. Es sei der erste Ort, so Kutzler, wo Ingenieure in Afrika nach vollkommen unverfälschtem deutschem Standard ausgebildet würden.
Dank des Engagements von TU Alumnus Samih Sawiris, der von 1976 bis 1980 an der TU Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studierte, wird der neue Campus komplett über Drittmittel finanziert. Derzeit werden dort, auf einem Gelände von 10 000 Quadratmetern, neben einem Audimax eine Bibliothek sowie sieben weitere Seminar-, Büro- und Laborgebäude errichtet. Nach den Kostenrichtwerten für den Hochschulbau von 2008 beträgt der Wert des Gebäudekomplexes samt Ausstattung rund 38 Millionen Euro, so rechnete Kurt Kutzler vor. Er ist einer der Initiatoren des Projektes, der sich jahrelang dafür engagiert hat.
Mit Beharrlichkeit und Einsatz sind in den letzten Jahren manche Hürden überwunden worden. „Ich bin sicher, wenn Präsident Kutzler das Projekt nicht so nachhaltig unterstützt hätte, es nicht über Jahre zur ,Chefsache‘ gemacht hätte, wären wir das eine oder andere Mal sowohl an deutscher als auch an ägyptischer Bürokratie gescheitert“, erklärte Alumnus und Financier Samih Sawiris.
Auch der TU-Präsident, Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach, hat sich die zukünftige Unterstützung auf die Fahne geschrieben: „Das bislang weltweit einzigartige PPP-Projekt im Bereich , Bildungsexport‘ bereichert die Internationalisierungsstrategie der TU Berlin mit einem besonderen Leuchtturmprojekt und eröffnet der Universität und dem Land Berlin einen idealen Zugang zu Forschungsaufgaben und -vorhaben in der sogenannten MENA-Region, dem Nahen Osten sowie Nordafrika. Hier kann man mit neuen Projekten direkt vor Ort zeigen, was nachhaltig ist und was nicht.“
Es war immer mein Traum, dass noch mehr meiner Landsleute in den Genuss einer solch fundierten Ausbildung kommen sollten, wie ich sie an der TU Berlin genossen habe“, erklärte Samih Sawiris, wie er im Jahr 2006 auf die Idee kam, dem damaligen Präsidenten Kurt Kutzler das Projekt „El Gouna Campus“ vorzuschlagen. Am Geld sollte es nicht scheitern. Als Unternehmer – er steht der Orascom Hotels und Development (OHD) vor, die zur Orascom-Gruppe gehört – ist Samih
Sawiris heute einer der reichsten Männer Ägyptens. Die Orascom-Gruppe entwickelt aktuell unter anderem etwa 20 Standorte beziehungsweise Tourismusregionen, darunter Andermatt in der Schweiz und das englische Cornwall. Ägyptens Lebensraum konzentriert sich seit prähistorischen Zeiten auf das Niltal und damit auf nur circa fünf Prozent der gegenwärtigen Staatsfläche. Das schnelle Wachstum der ägyptischen Bevölkerung erfordert die Erschließung neuer Flächen als Lebensräume. Auf die dafür notwendigen Bereiche konzentrieren sich daher auch Forschung und Lehre des neuen Zentralinstituts „El Gouna Campus“, zumal es in der gesamten Region des
Mittleren Ostens und Nordafrikas ähnliche Probleme gibt.
 
Grundvoraussetzung für eine weitere Entwicklung ist eine ausreichende Wasserversorgung. Diese wiederum erfordert eine ausreichende Energieverfügbarkeit.
 
Absolventen der drei zunächst eingerichteten Studiengänge (siehe Artikel unten links) werden besonders qualifiziert sein, bei der Lösung dieser Grundprobleme mitzuwirken:
Gewinnung von Energie aus den unbegrenzt vorhandenen Ressourcen Sonne und Wind sowie Erschließung von Trinkwasser durch Entsalzung und Recycling. Die aktuellen Fragen der Gestaltung von ländlichen und urbanen sowie sozialen und technischen Infrastrukturen, die durch die wachsende Gesellschaft entstehen, müssen von der Stadtentwicklung und -planung gelöst werden. Und auch die Rechtsform ist abgesichert. Anfang 2010 beschlossen die Gremien der TU Berlin die Eingliederung des „Campus El Gouna“ in die Hochschule in der Rechtsform eines Zentralinstitutes. Eine Vereinbarung zwischen dem ägyptischen Ministerium für Hochschulbildung und Forschung, der Berliner Senatswissenschaftsverwaltung und der TU Berlin ermöglicht den Betrieb in Ägypten nach dem Berliner Hochschulgesetz sowie den Privilegien und den Zielen des Deutsch-Ägyptischen Kulturabkommens von 1960. Das Zentralinstitut wird alle Funktionen einer Fakultät und damit die Zuständigkeit für die wichtigsten akademischen Entscheidungen besitzen. Die Studierenden werden nach deutschem Recht an der TU Berlin immatrikuliert und sind damit TU-Studierende. Für die Lehrenden und Forschenden gelten das deutsche Arbeits- und Besoldungsrecht sowie die Tarifverträge der TU Berlin. Zunächst entstehen damit rund 30 neue Arbeitsplätze. Ein entsprechender Kooperationsvertrag zwischen der TU Berlin und dem ägyptischen Unternehmen Orascom garantiert der TU Berlin die akademische und administrative Unabhängigkeit der Universität. Hocherfreut sind auch Behörden und Verbände in beiden Ländern. Der Berliner Senat hat das gesamte Konstrukt abgesegnet, der Wissenschaftssenator Prof. E. Jürgen Zöllner blickt äußerst zufrieden in die bildungspolitische Zukunft seiner Stadt: „Der TU Berlin ist
ein Qualitätssprung gelungen. Nicht nur sie, der gesamte Wissenschaftsstandort Berlin wird von diesem Motor für die Wissenschaft profitieren.“
Und die ägyptische Regierung ist voll des Lobes, das stellvertretend der Botschafter Ramzy Ezzeldin Ramzy äußert:
„Dieses Projekt hat eine ganz besondere Bedeutung für die bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Ägypten in Bildung und Forschung. Vor allem bin ich glücklich, zu wissen, dass die neue Organisation Angebote in lebenswichtigen Entwicklungsbereichen unseres Landes bereithalten wird.“ stt/pp
 
Engagement für deutsch-ägyptische Zusammenarbeit
Erste TU-Ehrenmedaille für I. E. Suzanne Mubarak
 
Ein herausragendes Ereignis im Zusammenhang mit der Campus- Gründung war die Ehrung I. E. Suzanne Mubaraks mit der Großen Ehrenmedaille der TU Berlin. Im April 2010 wurde die Auszeichnung der First Lady Ägyptens von Alt-Präsident Kurt Kutzler im Beisein des ägyptischen Ministers für Wissenschaft und Forschung und des deutschen Botschafters in Ägypten, Michael Bock, anlässlich der offiziellen Gründung des „Campus El Gouna der Technischen Universität Berlin“ überreicht. Suzanne Mubarak ist die erste Person, die diese besondere Auszeichnung erhält. Die Medaille würdigt die besonderen Verdienste, die sich die Ägypterin sowohl um die Förderung der wissenschaftlichen und technologischen Kooperation zwischen beiden Ländern erworben hat, als auch um die Förderung von Frauen in der Wissenschaft sowie um die Intensivierung des wirtschaftlichen Austauschs innerhalb eines Netzwerks von Public Private Partnerships, von denen die Gründung des „Campus El Gouna“ der Höhepunkt ist.
„Mit besonderem Engagement hat Ihre Exzellenz, Frau Suzanne Mubarak, die Zusammenarbeit ägyptischer wissenschaftlicher Einrichtungen mit der TU Berlin gefördert“, erklärte Prof. Dr. Kurt Kutzler bei der Übergabe. „Die TU Berlin ist ihr hierfür zu großem Dank verpflichtet.“ Pp
 
El Gouna – die grüne Stadt am Roten Meer
 
Ein Rezept des Erfolges von Samih Sawiris lautet sicherlich: immer noch eine Überraschung bereitzuhalten. So hielt er es auch in Berlin. Auf der Pressekonferenz Mitte Mai an der TU Berlin überraschte er die Zuhörer mit seinem jüngsten Plan: El Gouna soll die erste CO2-freie Stadt Ägyptens werden. Schon jetzt gilt El Gouna als ein Ort, in dem Nachhaltigkeit bewusst gelebt wird. Der Ferienort etwa 22 Kilometer nördlich von Hurghada direkt am Roten Meer setzt auf neue Ideen und Lösungen in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit und ist damit Vorreiter in Ägypten. Das Ziel: die faszinierende Natur des Landes und die Umwelt zu pflegen, zu schützen und zu erhalten. Nicht umsonst wurde der Badeort als Ägyptens umweltfreundlichstes Urlaubsziel ausgezeichnet. Wassersparmaßnahmen, Recycling sowie Energie- und Abfallmanagement stehen an erster Stelle. So wird für die Bewässerung des Golfplatzes und der Grünanlagen aufbereitetes Abwasser verwendet. Durch die Entsalzung von Meer- und Brunnenwasser gewinnt die Stadt ihr eigenes Wasser. Mithilfe von Öko-Festivals, Säuberungsaktionen und Sensibilisierungskampagnen wird das Umweltbewusstsein der Bewohner und Hotelangestellten, Unternehmer und auch der Besucher gestärkt.
Heute leben in El Gouna mehr als 15 000 Menschen. Gearbeitet wird fast ausschließlich für den Tourismus. 14 Hotels aller Kategorien sowie zahlreiche Ferienwohnungen und -häuser machen El Gouna zu einem der beliebtesten Badeorte des Roten Meeres, vor allem wegen der extremen Sauberkeit.
Aber auch Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen befinden sich am Ort. Tui
 
Die verschiedenen Artikel der Hochschulzeitung der Technischen Universität Berlin finden Sie  hier.
 
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© DAG am Sonntag, 22. April 2018
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