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Die Reise des Granadiners PDF Drucken E-Mail
Es ist höchste Zeit, sich eine Urlaubslektüre für die schönsten Wochen des Jahres zu besorgen. Dazu möchten wir diesen Roman des libanesischen Schriftstellers Rabi Jabir vorschlagen. Die deutsche Ausgabe wird verlegt von Hans Schiler, der sich in großem Maße der arabischen Literatur verschrieben hat. (www.schiler.de) Andreas Pflitsch erläutert im Anhang „Die Wiedergeburt des Erzählens aus dem Geiste der Tragödie" das Werk von Rabi Jabir und dessen Stellung in der arabischen und libanesischen Literatur, gefolgt von einem Nachwort von Claudia Ott, die das Lektorat innehat.
 
Rabi Jabir wurde 1972 geboren, bereits für sein erstes Werk „Der Herr der Dunkelheit" wurde er 1992 mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet. Der vorliegende Roman ist der neunte aus seiner Feder. Der Leser taucht ein in die Zeit des maurischen Spanien und wird auf eine spannende Reise geschickt…
 
Es war am letzten Tag im August des Jahres 1091. Der Ruf zum Morgengebet erhob sich über die Moscheen Granadas, ein elfjähriger Junge namens Muhammad erwachte und wusste noch nicht, dass dieser milde Morgen nie mehr wiederkehren würde... Wie jeden Tag machte er sich mit seinem Bruder Arrabi auf den Weg, die Schafe zu hüten. Auf der Suche nach einem verirrten Schaf verlor sich die Spur Arrabis in der Dunkelheit eines Waldes. Man suchte nach ihm vierzehn Tage lang, vergeblich. Eines Tages kam ein Fremder, der angeblich wusste, dass der Verschollene als Gewürzhändler in Valencia lebte. Und Muhammad, getrieben von seinen nächtlichen Träumen, begab sich auf die Suche…

Ein bunter Teppich rollt sich auf, verwoben sind Zeit und Raum, Realität und Traum. Die 98 Kapitel, kurz und bündig, in knapper, doch höchst poetischer Sprache, bieten außergewöhnliche Szenarien. Landschaften, Nächte in der Wüste, historische Ereignisse - Kämpfe um Spanien, die blutige Einnahme Jerusalems durch die Kreuzfahrer - . Hoffnungen auf ein glückliches Ende werden zu Trugbildern, lösen sich auf, werden neu genährt.

Die Reise führt Muhammad durch viele Länder und Städte, das maurische Spanien, Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten mit Alexandria und seinen blendend weißen Mauern, durch Gaza bis in das ferne Byzantinische Reich. Dort, in Antakia vermeint er, seinem Bruder zu begegnen:
 
’Wie bist du gestorben?’, fragte Muhammad.
‚Denk nicht darüber nach.’
Der Geruch wilden Thymians breitete sich aus.
Es wurde Abend.
‚Was hast du all die Jahre gemacht?’, fragte Arrabi.
‚Ich habe nach dir gesucht’, sagte Muhammad.
‚Geh zu deinen Kindern!’, sagte Arrabi.
Muhammad der Granadiner setzte sich auf den Boden. Er begann zu weinen.
 
Das Buch endet mit diesem fiktiven Zwiegespräch, doch noch lange wird der Leser von dieser wundersamen und berührenden Reise zehren…
 
 
Helga Walter-Joswig
D-A-G Mitglied

 

 
Rabi Jabir
Die Reise des Granadiners
Roman
Aus dem Arabischen von Nermin Sharkawi
Verlag Hans Schiler, Berlin 2005 (1. Auflage)
Paperback, 170 Seiten, € 18,--
ISBN 3-89930-046-7

 

 
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© DAG am Samstag, 24. Juni 2017
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