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»Gaddafi war kein Freund des Westens, nur ein guter Geschäftspartner«

Libyens neuer Botschafter in Berlin

Interview: Mohamed Amjahid

Noch vor etwas mehr als einer Woche war Ali El-Kothany normaler Arzt im oberfränkischen Kronach, nun ist er Libyens Botschafter in Berlin. Im Interview schaut er nach vorne und fordert dafür mehr Unterstützung aus Deutschland.

zenith: Herr El-Kothany, haben Sie sich auf den Botschafterposten beworben oder wurden Sie darauf angesprochen?

Nein ich habe mich sicherlich nicht beworben, ich bin wie alle anderen an die Front in Libyen gegangen. Und hier in Berlin, das ist auch eine Art Front, wenn Sie so wollen.

Wann waren Sie das letzte Mal in Libyen?

Zwei Tage bevor die Revolution angefangen hat, bin ich nach Libyen gereist. Ich kann mich noch genau daran erinnern. Am 18. Februar war ich in meiner Heimat, ich wollte halt ein bisschen mitdemonstrieren. Ich wollte drei, vier Tage bleiben, aber sie haben auf die Leute geschossen. Die friedlichen Demonstranten sind einfach so, einer nach dem anderen vor meinen Augen weggestorben. Ich bin dann sechs Wochen geblieben, jemand musste ja bei der ganzen Organisation mithelfen.

Was haben Sie in Libyen organisiert?

Ganz einfache Dinge: wir mussten die Ämter und die Krankenhäuser schützen, die Gaddafi-Leute haben einfach auf alles geschossen: die Häfen, die Flughäfen, die Tunnel, die Grenzen zu den Nachbarländern. Wir waren in Tobruk, meiner Heimatstadt, und haben dann die Anweisungen an die anderen Rebellen weitergeleitet.

Wie sieht das neue Libyen aus, im Vergleich zu dem was Sie beschreiben?

Ganz einfach! Ich kann mit Ihnen ganz frei reden, über Libyen, über mein Land. Vorher war das unmöglich. Es sind auch die einfachen Dinge die viel ausmachen.

Gaddafi war vor einigen Jahren, ja erst einigen Monaten, noch ein respektierter Freund des Westens und auch hier in Deutschland gern gesehen.

Ich würde nicht sagen, dass er ein Freund war, bestimmt nicht in Deutschland, vielleicht auch in keinem Land. Immerhin haben sie ihm hier nicht erlaubt, seine Zelte aufzuschlagen.

Dafür durfte er sie zum Beispiel im »Jardin de Luxembourg« in Paris aufschlagen.

Ja, aber hier nicht – und das dürfen wir auch nicht vergessen. Und ja, sie haben alle mit ihm als Partner gute Geschäfte gemacht. Die Leute haben ihn geschätzt, das war halt so. Er hat doch hier in Berlin 1986 die Diskothek »La Belle« in die Luft jagen lassen. Er hat auch hier Morde begangen. In Europa, in Deutschland, in Italien war er bestimmt kein Freund, aber ein guter Geschäftspartner.

Wie bewerten Sie die deutsche Außenpolitik in Sachen Libyen?

Wir wollen unser Land aufbauen, in allen Bereichen: Demokratie, Ausbildung, Gesundheitswesen, Infrastruktur. Wir versuchen, dass Deutschland uns dabei nun wenigstens unterstützt. Wir wollen zusammenarbeiten. Libyen ist ein reiches Land, Geld fehlt uns nicht. Was uns fehlt, ist das Know-how.

Sie haben genug Geld, Sie können sich Ihre Geschäftspartner und Freunde aussuchen, warum sollten Sie sich für Deutschland interessieren?

Deutschland ist halt eine große Industrienation. Deutschland hat auch Erfahrung beim Wiederaufbau, zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Wende. Von dieser Erfahrung wollen wir auch profitieren.

Warum sind Sie als Arzt besonders qualifiziert für den Botschafterberuf, für die Diplomatie?

Ich habe in meinem Leben auch Menschen behandelt, die psychosomatische Krankheiten hatten, das qualifiziert mich schon mal sehr. Außerdem bin ich sehr vertraut mit den Verhältnissen in Deutschland, ich wohne schon seit zwanzig Jahren hier. Ich habe nicht nur Medizin studiert, sondern auch deutsche Geschichte. Und daraus kann man auf jeden Fall viel lernen.

Sind Sie mehr deutsch oder mehr libysch?

Ich bin beides, fifty-fifty. Optimal für den Posten als Botschafter hier.

Haben Sie sich schon an die Anrede »Ihre Exzellenz« gewöhnt?

Ich mache mir nicht viel aus Titeln. Am Ende zählt, was man geschafft, gearbeitet, getan hat, am Ende zählt die Bilanz.


Ali El-Kothany,66, ist Internist und lebt schon seit 25 Jahren in Deutschland. Nach seinem Aufenthalt in seiner Heimatstadt Tobruk im Nordosten Libyens, wurde er vom libyschen Übergangsrat als Botschafter für Deutschland ernannt.

Hier finden Sie das Interview bei zenithonline.

 
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© DAG am Donnerstag, 18. Juli 2019
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