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Rezension „Roads of Arabia“ PDF Drucken E-Mail
Wer die Ausstellung „Roads of Arabia – Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien“ besucht, die bis zum 9. April 2012 in Berlin zu sehen ist (www.roadsofarabia2012.de), profitiert naturgemäß vom deutsch-sprachigen Ausstellungskatalog. „Das Königreich Saudi-Arabien ist die Wiege des Islam und der arabischen Zivilisation, Brücke der kulturellen Beziehungen zwischen den Kontinenten. Die alten Handelswege, über die auch der Weihrauchhandel abgewickelt wurde, führten von jeher durch Saudi-Arabien“, so formuliert es Prinz Sultan bin Salman bin Abdulaziz Al-Saud, Präsident der 2003 gegründeten Saudi Commission for Tourism and Antiquity (SCTA).

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Die Ausstellung umfasst rund 400 Objekte von Steinstelen über antiken Schmuck bis zur Tür der Kaaba. „Was machen antikes italienisches Glas in der südarabischen Wüste, römische Haarmode unter Dattelpalmen, altägyptische Kunststile und westiranische Keramik auf Karawanenstationen?“ fragt Dr. Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin in der Ausstellungseinführung und will damit sagen, „dass Handel, Machtwillen und Religion selbst die schwierigsten geografischen Hindernisse überwinden können“. Wer diese Ausstellung nicht besuchen kann, muss trotzdem auf einen Kulturgenuss der Superklasse und auf eine Vielzahl von interessanten und normalerweise schwer zugänglichen Informationen nicht verzichten: Der Ernst Wasmuth Verlag Tübingen (www.wasmuth-verlag.de) bietet eine Buchhandelsausgabe des Katalogs (siehe Foto). Jeder, der Interesse an Archäologie, Geschichte und Kultur der Arabischen Halbinsel hat, oder z. B. – in welcher Funktion auch immer – in Saudi-Arabien tätig ist, kommt bei der Lektüre auf seine Kosten und gewinnt nicht nur bisher nicht gekannte Einblicke in das unbekannte Königreich Saudi-Arabien und seine verborgenen Schätze sondern auch nützliche Einsichten in die Ursprünge dieses außergewöhnlichen Landes. Selten hat man in einem einzigen Werk Zugang zu so vielfältigen Themen und darüber hinaus die Gelegenheit, über neueste Entwicklungen der kulturellen Zukunftsplanungen des Königreichs Saudi-Arabien zu erfahren, denn es geht nicht nur um Geschichte und Archäologie und deren Zukunftsperspektive, sondern auch um Bereiche wie antike Kunst und Kultur sowie Geografie und Geologie. Der interessierte Leser erwirbt mit diesem Werk eine umfassende, verständlich und spannend geschriebene Sammlung verschiedener Beiträge namhafter Deutscher und Saudischer Fachleute, die nicht nur mit den Abbildungen der Ausstellungs-Exponate hervorragend illustriert, sondern mit weiteren, die verschiedenen Themen anschaulich erklärenden Fotos ausgestattet sind. In einzelnen Beiträgen einer Vielzahl von Verfassern werden Themen behandelt, wie z. B.:

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Das Kulturerbe Saudi-Arabiens: Autor Prof. Ali Al-Ghabban, Vizepräsident von SCTA erlaubt Einblicke in die Arbeit der für Archäologie zuständigen Behörden und Institute, die seit 1963 über zehntausend archäologische Stätten identifiziert haben. Man erfährt von den Bemühungen von SCTA, moderne Methoden in der Archäologie zu nutzen. Darüber hinaus gibt es Informationen und Hintergründe zum Stand der archäologischen Forschungen in den rund 30 besonders spektakulären archäologischen Stätten, an denen auch Deutsche Archäologen beteiligt sind. Für einige dieser Grabungsorte ist geplant, nach entsprechenden Verbesserungsarbeiten die Aufnahme in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes zu beantragen und in Zukunft sollen diese Orte auch Besuchern zugänglich sein. Dies ist schon der Fall bei der früheren Hauptstadt Diriyah (siehe Foto), in der bereits einige Königspaläste und Moscheen restauriert sind. Es ist viel zu tun, so plant das für Publikationen zuständige Department of Antiquities and Museums, die zahlreichen, bisher weitgehend auf Printbasis erschienenen Publikationen zu digitalisieren und durch die Einrichtung von Internetseiten den internationalen Zugang zu den gewonnenen Erkenntnissen zu ermöglichen.

 

 
 
 

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Unter den weiteren Themen sind: Naturraum der Arabischen Halbinsel - Die archäologische Erforschung der Arabischen Halbinsel im Hinblick auf die Europäischen Beiträge – Felskunst - Frühe Stelen aus Stein - Zwischen Euphrat und Indus: die Arabische Halbinsel von 3500 bis 1700 v. Chr. - Das alte Arabien in historischen Quellen - Die Nabatäer im Nordwesten Arabiens – Die Nabatäerstadt Madein Saleh - Sprachen und Schriften Arabiens - Der Koran: das erste arabische Buch - Frühe Pilgerreisen nach Mekka und Medina – Auf der Suche nach den Wundern und Kostbarkeiten Arabiens: Entdecker auf Karawanen- und Pilgerstraßen – Pilgerbücher - Die Mekka Bahn. Diese Themen orientieren sich an den Ausstellungsthemen im großartigen National Museum in Riyadh (siehe Foto), das trotz seiner außergewöhnlichen, modernen Architektur gut in das aus der Zeit von König Abdulaziz Al Saud stammende, renovierte, historische Zentrum der Stadt passt und aus dem die meisten Exponate der Ausstellung stammen – wenn auch ergänzende Ausstellungstücke aus Deutschen und Britischen Museen sowie von einigen Einzelpersonen durchaus erwähnenswert sind – allen voran ein prächtiges, sehr gut erhaltenes Exemplar eines 330 x 633 cm großen Vorhangs der Kaaba Tür aus Baumwolle und Seide, mit Gold- und Silberdraht bestickt - Leihgabe des Botschafters des Königreichs Saudi Arabien in Deutschland, S.E. Ossama bin Abdul Majed Shobokshi. Ihm ist in besonderem Maße zu verdanken, dass die Ausstellung überhaupt den Weg nach Berlin fand.
 
 

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Natürlich darf in solch einem Werk ein Kapitel über „Die Anfänge des Königreichs Saudi-Arabien“ nicht fehlen und es ist besonders lesenswert, da es aus der kundigen Feder von Dr. Fahd A. Al-Simari (siehe Foto) stammt, seit Jahrzehnten angesehener Direktor der namhaften King Abdulaziz Foundation for Research and Archives, die sich in unmittelbarer Nähe des National Museums Riyadh befindet. Die Stiftung verfügt über ein für Besucher zugängliches, eigenes Museum, das ganz auf König Abdulaziz Al Saud zugeschnitten ist – es enthält neben einer Sammlung von Oldtimern viele persönliche Gegenstände des Königs. Ein Säbel mit Scheide aus Holz und mit Leder bezogenem, verziertem, vergoldetem Silberblech und ein Mantel des Königs aus diesem Museum sind in der Ausstellung zu sehen. Schwerpunkt des Artikels von Fahd A. Al-Simari, der u. a. in Bonn studiert hat, ist die Lebensgeschichte von König Abdulaziz Al Saud und der spannende Bericht, wie er an der Spitze einer kleinen Gruppe getreuer Gefolgsleute am 1. Januar 1902 das Fort Masmak in Riyadh einnahm – die Spuren seines Speeres sind noch heute in der Original erhaltenen, handgeschnitzten Holzeingangstür zu sehen. Der König leitete damit die Entwicklung des modernen Saudischen Staates ein, aus der die Gründung des heutigen Königreichs im Jahr 1932 resultierte.
 
 
 
 
 
 
Roads of Arabia: 308 Seiten, Format: 21 x 27 cm, deutscher Text, über 400 Farb- und historische s/w Fotos, historische und aktuelle Landkarten und gutes Literaturverzeichnis.
Museumsausgabe: Paperback, nur im Museum erhältlich, EUR 29,90 (ISBN 978-3-88609-721-0)
Buchhandelsausgabe: Hardcover, EUR 45,- (ISBN 978 3 8030 3355 0)
 
Text und Fotos: Barbara Schumacher

 

 
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© DAG am Freitag, 28. April 2017
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