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Lorenz Korn: "Die Moschee: Architektur und religiöses Leben" PDF Drucken E-Mail

von Helga Walter-Joswig

In einer Zeit, in der die Medien nicht nur in Deutschland oft und gerne über Moscheebauten diskutieren, liegt es nahe, sich mit diesem Thema intensiver zu beschäftigen. Die Moschee ist das Symbol, mit der sich eine islamische Gemeinde nach außen sichtbar repräsentiert. Die Geschichte der Moschee in ihrer ausgeprägten Architektur und das religiöse Leben, dem sie dient, werden in vorliegendem Werk vorgestellt. - Der Autor ist Professor für Islamische Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Bamberg. 2008 ist von ihm im gleichen Verlag die Geschichte der islamischen Kunst erschienen, welche hier ebenfalls besprochen wurde.

Die Einleitung behandelt „Funktion und Bedeutung von Moscheen“. Mit der Auswanderung des Propheten Muhammad von Mekka nach Medina im Jahre 622 n. Chr. konstituierten sich die Anhänger zu einem politisch-religiösen Gemeinwesen. Für die vorgeschriebenen Ritualgebete und allgemein die Versammlung der Gläubigen war ein Kultbau notwendig geworden. Insbesondere für das Freitagsgebet, dem sich die wichtige Predigt des Imam anschloss. So muss die Moschee im Prinzip drei Kriterien erfüllen: Abgrenzung nach außen, Ausrichtung nach Mekka und kultische Reinheit, die sich bis heute erhalten haben. Die sogenannte Große Moschee für den Freitagsgottesdienst ist zusätzlich mit einer Predigtkanzel ausgestattet. Die Vielfältigkeit der Sakralarchitektur, die sich in den Ländern zwischen Marokko und Indonesien im Laufe von 14 Jahrhunderten entwickelt hat, ist beeindruckend. Interessant sind auch die Namen, welche die Moscheen tragen; oftmals nach Stiftern benannt, aber auch nach Lage oder Umgebung. So ziert als Titelbild die berühmte „Blaue Moschee“ in Istanbul den Buchumschlag.

Im Hauptteil führt uns Lorenz Korn durch die Geschichte der Moschee von der Frühzeit des Islam (622 – 750) bis zur Gegenwart. – Die Ausführungen, beginnend mit Kapitel II. „Monumente einer neuen Religion“, gelten chronologisch der Moschee des Propheten, den Moscheen der Eroberer und jenen aus der Umayyadenzeit. In Letzteren wurde erprobt und eingeführt, was aus heutiger Sicht einen wesentlichen Bestandteil der Architektur und Einrichtung einer Moschee ausmacht. Allerdings ist der berühmteste Sakralbau dieser Zeit, der Felsendom in Jerusalem – erbaut ab 692 n.Chr. - , keine Moschee, sondern dient als Baldachin, den heiligsten Ort auf Erden zu schützen und hervorzuheben. Auch aus der Frühzeit des Islam stammt die berühmte Ka’aba in Mekka, „Haus Gottes“ und Moschee, erbaut ab 622.

Kapitel III. „Gebete im Namen des Kalifen“ behandelt die klassische Epoche des Islam (750 – 1400): Moscheen der Abbasidenzeit in Thema und Variationen; Weiterentwicklung des Betsaals – Moscheen des islamischen Westens; der Kuppelraum in Moscheen des Iran; Koranschule und Moschee in Ägypten und Syrien. Die Vielfalt der Formen in Nordmesopotamien und Anatolien beschließen den Abschnitt.

Kapitel IV. „Siegeszug der Kuppel (1400 – 1750)“ beschreibt dieses besondere architektonische Element in den Moscheen, ebenfalls an Hand von Fotos und Architekturzeichnungen. Berühmte Kuppelbauten finden sich besonders in den Ländern vom Hochland des Iran bis zum Ganges. Ausgangspunkt war die osmanische Kuppelmoschee in Edirne, von Sultan Murat II. (1437 – 1447) in seiner Hauptstadt errichtet. Unter anderem bringt Michael Lüders als Beispiel auch die Aladža-Moschee in Foča (Bosnien und Herzegowina), erbaut 1551. Sie wurde im bosnischen Bürgerkrieg 1992 zerstört, so wie viele Gotteshäuser der Kriegsfurie zum Opfer fielen. Dank finanzieller Unterstützung der EU werden sie wieder aufgebaut und zieren Dörfer und Städte.

Das abschließende Kapitel V. „Die Moschee von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart (ab 1750)“ weist zunächst auf den europäischen Historismus und orientalische Variation und führt zur Moderne und Postmoderne. „Moscheen und Diaspora“ betrifft im Besonderen auch den europäischen Raum. Wie aus den Medien bekannt, trafen einige Bauten in Deutschland auf heftigen Widerstand der ansässigen einheimischen Bevölkerung. Nichtsdestoweniger sind sie eine große Bereicherung der Architektur in Städten und Gemeinden. Beispielhaft nennt Lorenz Korn die Moscheen in Berlin, Hamburg, Duisburg, Mannheim, Köln, Penzberg oder München. Wobei er den in Mitteleuropa entbrannten Streit um das Minarett nicht ausspart.

Der nützliche Anhang bietet ein Glossar, eine Tafel der Dynastien in der islamischen Geschichte, Literaturhinweise, den Bildnachweis sowie Personen- und Ortsregister. Die beiden Karten in den Umschlaginnenseiten des Taschenbuchs zeigen den Ost- bzw. Westteil der islamischen Welt. – Viel Wissen verständlich vermittelt, empfehlenswert!

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Lorenz Korn

Die Moschee: Architektur und religiöses Leben

Verlag C.H. Beck
Beck’sche Reihe Wissen, München 2012
128 Seiten mit 60 Abbildungen (Fotos, Grundrisse etc.), davon 23 in Farbe, und 2 Karten
Broschur € 8,95
ISBN 978-3-406-63332-4

 
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© DAG am Freitag, 28. April 2017
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