Le Monde Diplomatique – Arabische Welt. Ölscheichs, Blogger, Muslimbrüder

Rezension von Julia Schöpp


Die „Monde Diplomatique“ hat gemeinsam mit der taz im Frühling 2012 ihre elfte Ausgabe der „Edition Le Monde“ herausgebracht. Die Editionen sind Sonderausgaben der LMD, in denen Artikel aus den verschiedenen Ausgaben der Monde Diplomatique, ergänzt um aktuelle Reportagen, Essays, Porträts sowie vielen Karten, Grafiken, Chronologien und Links, gesammelt sind. Das Thema der aktuellen Ausgabe: Die Arabische Welt.

Auf dem Cover der Zeitschrift, dessen Hintergrund in grün gehalten ist, ist das Portrait einer jungen Frau abgebildet, mit Kopftuch, die fest und entschlossen in die Kamera schaut (dabei erinnert es an die Fotoserie von Feriel Bendjama für den zenith-Fotopreis). Zusammen mit dem Untertitel des Magazins – Ölscheichs, Blogger, Muslimbrüder – vereint dieses Cover somit in einem Rundumschlag die Klischees, die seit dem vielbesagten Frühling 2011 in der deutschen Medienlandschaft von der Arabischen Welt vorherrschen.


Image Doch schon im Editorial betont Jakob Horst, dass dies nicht das Ziel sei: Keine Klischees sollten reproduziert werden, sondern es ginge darum, „genauer hinzusehen“. Das, so der Redakteur, geschehe immer weniger, da die Öffentlichkeit das Interesse an den komplexen postrevolutionären Prozessen verloren habe.


Diesem Ziel wird die Edtition Le Monde gerecht. Dreiundzwanzig Journalisten und Journalistinnen von verschiedenster Nationalität und Herkunft, darunter auch große Namen wie Volker Perthes und Edward Said, berichten über eine breite Auswahl von Themen. In der Kategorie „Religion und Sprache“ erzählt Edward Said aus einem sehr persönlichen Blickwinkel von den Eigenheiten der Arabischen Sprache und der Rolle, die das Hocharabische (fusha) und die Alltagssprache (ammiya) für die Araber spielen.


Volker Perthes schreibt über „Die letzten Tage des syrischen Regimes“. Dieser Titel mag aus heutiger Sicht voreilig erscheinen, sein abschließender Satz jedoch aktueller denn je: „Je länger es dauert, bis das Regime weicht, je mehr der Aufstand sich militarisiert und die Aufstände einen konfessionellen Charakter annehmen, desto schwieriger werden Versöhnung und politischer Wiederaufbau nach dem unabwendbaren Ende des derzeitigen Regimes.“


Die Edition LMD bietet auch darüber hinaus eine Vielzahl gut recherchierter Artikel abseits des Mainstreams der „Arabischer Frühling“-Berichterstattung, beispielsweise über die Rolle der Fußballfans oder der Arbeiterbewegung während der ägyptischen Revolution. Das Embargo der 1990er Jahre gegen den Irak wird kritisch thematisiert, ebenso die Lage der Palästinenser: Anstatt, wie sonst so oft zu fragen, was die Machtergreifung der Muslimbrüder in Ägypten für Israel bedeuten könnte, beschäftigt sich Joseph Dana mit der katastrophalen Situation der Palästinenser in der so genannten „Zone C“. Diese sowohl militärisch als auch zivil unter der Verwaltung Israels stehenden Gebiete machen den größten Teil Palästinas aus. Auch dem Westsahara-Konflikt widmet sich ein Artikel.


Die Edition LMD „Arabische Welt“ ist also durchaus die Investition von 8,50€ wert, zumal sie aufgrund ihres Fokus auf Hintergrundthemen nicht so schnell an Aktualität verliert.


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