Ecce homo! In memoriam Ivo Lederer

Nachruf an Ivo Lederer (21.08.1937 - 16.08.2013)

Dieser füllige immer gutgelaunte Mann mit einer Energie und einem Lebensmut für drei Menschenleben ausgestattet,  wurde von der DAG zum Helden des 20. Jahrhunderts geadelt. Den Entwicklungshelfer in Uniform,  Ivo Lederer, 1939 im Sudetenland geboren, lernte ich 1983 in Djibouti kennen. Dort leitete der Oberstleutnant die  gerade mal sechsköpfige Bundeswehr-Einrichtung, die auf Bitten der Regierung des ostafrikanischen Vielvölkerstaats zunächst nur eine  Funkstation für das Verteidigungsministerium aufbauen sollte.  Dann betraute man ihn gleich damit zwei Kfz- Werksbetriebe für Kräder,  PKW und Nutzfahrzeuge mit Lehrwerkstätten einzurichten. Die 7-Tagewoche war für Ivo die Regel. Er suchte in Djibouti junge Leute aus, die in Untertürkheim bzw. bei BMW in München ihren ersten Schliff  erhielten und fortan stolz als Made in Germany  in Ostafrika den Stern oder die weiß-blauen Farben trugen. Als nächstes wuchs unter seiner Leitung eine Ziegelei in der Wüste heran. Die Weltbank hatte damals dem jungen Staat einige Mähdrescher geschenkt, die ungebraucht in dem ariden Klima vor sich hin rosteten, zumal es keine Flächen gab, auf denen Weizen gedeihen konnte. Ivo half dem Landwirtschaftsminister aus der Verlegenheit, indem unter seiner Ägide eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt gegründet wurde, die sich die Erfahrungen deutscher Agrarschulen in Kuwait, Tunesien, Algerien und den Emiraten zunutze machte. Ivos Gärtner waren Hundertschaften aus der örtlichen JVA, die ihre überwachte Freiheit mit Arbeitseifer belohnten. Statt Wüstenweizen wird inzwischen Jojoba geerntet, dessen kostbares Öl zwar nicht in Rotterdam an der Ölbörse in Barrel geführt wird, dafür grammweise von der Kosmetikindustrie  geschätzt wird. Ivo holte die Gorch Fock zu einem Flottenbesuch in die bedeutendste Hafenstadt Ostafrikas. Seine Verdienste für seine zweite Heimat Djibouti honorierte der junge Staat mit der höchsten Auszeichnung des Landes. Die Deutsch-Arabische Gesellschaft ist stolz, dass Oberstleutnant Ivo Lederer, den unser früherer Präsident Jürgen Möllemann zum Helden des 20. Jahrhunderts akklamierte, für unser Land in Afrika Akzente setzte, beispielgebend  für die friedlichen Aspekte der deutschen Bundeswehr.
Zurück in Deutschland war der Entwicklungshelfer in Uniform gefragter Gastredner bei Verbänden und der Industrie.  Die deutsche Einheit war für ein Mannsbild wie ihn die zweite große Herausforderung seines Lebens. An der tschechischen Grenze, in Rufnähe zu seiner früheren sudetendeutschen Heimat, im Elbsandsteingebirge runderneuerte er ein ehemals von der SED genutztes Schloss zu einem Hotel und baute eine Betonfabrik auf. Ein Mann der Tat; seit dem …August 2013 lebt Ivo nicht mehr unter uns. Sein Leben gibt uns Beispiel und zugleich Ansporn. Sein erfülltes Leben wird unsere Arbeit beflügeln.
 

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Mit Ivo Lederer (3. von links)