Inder planen für 10 Milliarden Euro Übernahme am Golf

Konsortium um die Vavasi-Gruppe will Mehrheit des zweitgrößten arabischen Mobilfunkunternehmens Zain

Her. ABU DHABI, 13. September.

Für 10 Milliarden Euro will ein indisches Konsortium 46 Prozent des arabischen Mobilfunkanbieters Zain übernehmen. Das Vorhaben der indischen Investoren um die Vavasi-Gruppe wäre eine der größten ausländischen Übernahmen auf der Arabischen Halbinsel. Da das Management der Zain-Gruppe 10 Prozent der Aktien hält, sie aber stimmrechtslos sind, würde das indische Konsortium die Kontrolle über den zweitgrößten arabischen Mobilfunkanbieter erwerben. Zain betreibt Mobilfunknetze in acht arabischen und in 16 afrikanischen Staaten.

Im Sommer wollte bereits der französische Medienkonzern Vivendi die afrikanischen Aktivitäten von Zain erwerben. Die Gespräche scheiterten allerdings am Preis. Die beabsichtigte Übernahme durch die Inder lässt nun noch viele Fragen offen. Anders als bei Vivendi führt das Management von Zain diesmal die Verhandlungen nicht. Die Kharafi-Gruppe, die bisher mit einem Anteil von 10 Prozent der größte private Aktionär bei Zain war, gab bekannt, für das indische Konsortium 46 Prozent der Aktien zu erwerben und dafür einen Aufschlag von 89 Prozent auf den Börsenkurs vom 9. Juli zu zahlen. An jenem Tag hatte Zain bekanntgegeben, über den Verkauf seiner afrikanischen Tochterunternehmen zu verhandeln. Mit der Bekanntgabe von Kharafi hat das Management von Zain wohl die Gespräche zum Verkauf der Aktivitäten in Afrika eingestellt. Händlern an der Börse Kuweit war seit Wochen aufgefallen, dass Kharafi Aktien von Zain aufkauft.

Unklar ist, wer neben Kharafi seine Anteile verkaufen will. Der Staatsfonds Kuweit Investment Authority ist mit 24,6 Prozent der größte Aktionär. Bis 2001 hatte er 49 Prozent gehalten. Unklarheit besteht ferner, wer Mitglied des indischen Konsortiums ist. Geführt wird es von der Vavasi-Gruppe, die in Indien bisher erfolglos für Mobilfunklizenzen geboten hatte. Zum Konsortium gehört der Milliardär Syed Mokhtar al Bukhary aus Malaysia. Zwei große staatliche Mobilfunkunternehmen aus Indien dementierten, ebenfalls dem Konsortium anzugehören. Farid Arifuddin, der Generaldirektor von Vavasi, sagte in Kuweit lediglich, man habe einige Unternehmen, deren Ziele mit den eigenen konvergierten, in die engere Auswahl gezogen. Investoren aus den Golfstaaten seien ebenso willkommen. Eine der größten Fragen warf bisher auf, dass kein Unternehmen, das mit der Übernahme in Verbindung gebracht werden könnte, mit Banken Gespräche über die Finanzierung begonnen hat. Das Konsortium ist bereit, den zehnfachen Preis des für 2009 erwarteten Betriebsergebnisses vor Abschreibungen (Ebitda) zu zahlen. Im ersten Halbjahr stieg das Betriebsergebnis um 46 Prozent auf umgerechnet 1,77 Milliarden Dollar. Zain hatte im September 2008 eine der erfolgreichsten Kapitalerhöhungen an der Börse Kuweit durchgeführt. An der Kapitalaufstockung um 4,5 Milliarden Dollar beteiligten sich 99 Prozent der Aktionäre. Zain ist das älteste Mobilfunkunternehmen in der arabischen Welt.

Text: F.A.Z., 14.09.2009, Nr. 213 / Seite 14